KonzeptInhaltsverzeichnis1. Zum Bildungsauftrag und zur Bildungssituation 1.1. Reformpädagogische Wurzeln und Neurobiologie 2.1.1. Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg 2.2 Ganzheitliches Lernen (Kopf - Herz - Hand) 2.3. Naturnahes Lernen, Ökologie 3.2. Altersgemischte Klassen, U-, M-, O- Gruppen 3.5. Freiarbeit – Freies Spiel 3.8. Lernorte - Schule in Bewegung 4. Dokumentation von Lern- und Entwicklungsprozessen 6. Weiterbildung und Supervision 7. Thesen des Bundesverbandes Freier Alternativschulen
Freie Schule Wetterau "Die Kolibris"
Unsere Geschichte
In der Nachbarschaft von zwei Mitgliedern unseres Kreises öffnete ein Montessori-Kindergarten mit dem Bestreben, darauf aufbauend eine Schule zu gründen. Leider scheiterte das Vorhaben, und wir mussten unsere Wünsche nach einer alternativen Schule mit kleinen Klassen, individueller Förderung und anderen Lernansätzen zurückstellen. Doch das Thema ließ uns nicht los, und schließlich entstand die Idee, selbst eine Schule zu gründen, um unsere pädagogischen Vorstellungen vom „miteinander Leben und Lernen“ zu verwirklichen.
So wie alles im Leben ansteckend ist, fand sich in kurzer Zeit eine kleine Gruppe von Menschen zusammen, die sich ebenfalls für eine „Freie Schule“ interessierte – und im Februar 2004 fand das erste Treffen statt. Im Mittelpunkt standen folgende Wünsche und Zielvorstellungen für eine alternative Schule:
· Freude und Motivation am Lernen · Ganzheitliches Lernen ohne Benotung · Individuelle Förderung · Kleine, jahrgangsübergreifende Klassen · Ganztagsschule · Elternmitarbeit
Die Geschichte unserer Schule:
Juli 2004: Der Verein „Freie Schule Wetterau e.V.“ mit Sitz in 63683 Ortenberg-Bleichenbach, Bleichstraße 75, wird gegründet.
Januar 2005: Annerkennung durch das Finanzamt Nidda, dass der Verein ausschließlich steuerbegünstigte gemeinnützige Zwecke i.S.d. § 52 AO verfolgt.
März 2005: Der Verein wird Mitglied im Bundesverband der Freien Alternativschulen.
Oktober 2004 – März 2005: Ein erstes pädagogisches Konzept wird erarbeitet, das seitdem kontinuierlich weiterentwickelt und regelmäßig mittels Informationsveranstaltungen der Öffentlichkeit präsentiert wird.
Dezember 2005: Der Verein bekommt zur Nutzung als Schulgebäude das ehemalige Sportlerheim in Selters von der Gemeinde Ortenberg zur Verfügung gestellt.
Januar 2006: Die ersten Unterlagen für das Genehmigungsverfahren werden zum Schulamt Friedberg eingereicht.
August / September 2006: Die Schule erhält die Genehmigung als „Ersatzschule“ durch das Hessische Kultusministerium.
September 2006: Eröffnung der Freien Schule Wetterau "Die Kolibris" als Ganztagsschule.
Unsere Öffnungszeiten:
Montag, Dienstag, Donnerstag: 8.00 Uhr - 16.15 Uhr Mittwoch, Freitag: 8.00 Uhr - 13.45 Uhr Schulbeginn / Schulende 8.30 Uhr - 13.00 Uhr/ 15.30 Uhr Kostenlose Ferienbetreuung: Letzte Woche der Winter- und Herbstferien, Letzte 3 Wochen der Sommerferien
1. Zum Bildungsauftrag und zur Bildungssituation
Die Veröffentlichung der PISA-Studie hat in Deutschland für Aufregung gesorgt: Zu wenige Kinder erwerben die für die moderne Informationsgesellschaft notwendigen Schlüsselqualifikationen wie Selbständigkeit, Kreativität, vernetztes Denken oder Teamfähigkeit, die ebenso zur Lebenstüchtigkeit gehören wie kognitive Lernziele. Aus der IGLU-Studie wurde die Schlussfolgerung gezogen, dass vorschulische Bildung und Grundschule große Bedeutung für den Lebensweg eines Kindes haben. Ebenso zeigt der aktuelle Hessische Erziehungs- und Bildungsplan die Bedeutung der Bildung für Kinder im Alter von 0 bis 10 Jahren, der weit über rein kognitive Lernziele hinausgeht.
Seither macht sich in unserem Land die Bildungswut breit: „Fördern“ heißt das neue Motto in Schule und Elternhaus. Doch die Grenzen zwischen fördern und überfordern sind oft fließend. Denn im Blick haben Schule und besorgte Eltern vor allem die kognitiven Lernziele. Bereits im Grundschulalter klagen viele Kinder über Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Schulangst.
Doch gerade die Angst ist nicht gut für das Lernen. Der Ulmer Hirn- und Lernforscher Manfred Spitzer sagt hierzu: „Wer unter Angst lernt, der lernt die Angst gleich mit, und das ist ganz dumm, sie speichert es dort ab, wo wir angsterfüllte Assoziationen abspeichern.“[1] Menschliche Gehirne sind zum Lernen gemacht, wichtig ist aber eine entspannte Atmosphäre.
Bereits im Rahmenplan der hessischen Grundschulen von 1995 steht geschrieben, dass die Schule nicht nur fachliche Lernziele im Blick haben soll, sondern das gemeinsame Leben und Lernen so gestalten soll, dass das Kind in seiner ganzen Persönlichkeitsentwicklung gefördert wird.[2]
Die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit ist für das Kind am ehesten gewährleistet, wenn es im Klima sozialer Geborgenheit sein Lernen und sein Handeln als wertvoll und sinnvoll erfährt.[3]
Die Freie Schule Wetterau möchte dem Bildungsauftrag der Grundschule gerecht werden und die Schule zu einem Lebens- und Erfahrungsraum für Kinder machen, in dem entdeckendes Lernen, soziales Lernen, Lernen mit allen Sinnen und naturnahes Lernen einen herausragenden Stellenwert haben.
Auf der Suche nach einer geeigneten Schul- und Lernform stießen wir immer wieder auf die Reformpädagogen des 20. Jahrhunderts. Moderne lern- und entwicklungspsychologische sowie neurobiologische Erkenntnisse bestätigen heute die Erkenntnisse der Reformpädagogen.
Insbesondere in der Praxis hat sich gezeigt, dass Schulen, die nach reformpädagogischen Methoden arbeiten, erfolgreich sind:
Die Helene-Lange-Schule Wiesbaden, die nach Freinet arbeitet, erreichte eine über- durchschnittliche Platzierung im internationalen Schulvergleich und gewann den Deutschen Schulpreis 2007. Auch die anderen Gewinner des Deutschen Schulpreises haben eine reformpädagogische Prägung: Die Grundschule Kleine Kielstraße in Dortmund, die Jenaplan-Schule in Jena, die Offene Schule Kassel-Waldau, die Robert-Bosch-Gesamtschule in Hildesheim und die Montessori-Oberschule in Potsdam.
1.1. Reformpädagogische Wurzeln und Neurobiologie
Schon vor mehr als 100 Jahren haben reformpädagogische Strömungen die gesamte Schulentwicklung begleitet und beeinflusst. Heute bestätigen die neuesten Ergebnisse der Hirnforschung längst gewonnene Erkenntnisse der Reformpädagogen – Neurodidaktiker liefern oft nicht mehr als eine Bestätigung alter, bekannter pädagogischer Weisheiten:
· Kinder zum eigenen Problemlösen anregen · Sie im Selbstversuch die Grenzen von Erfolg und Misserfolg ausloten lassen · Klare Standards und Grenzen setzen (die Orientierung erlauben) · Einen Bezug zur Lebenswelt herstellen
Auch der aktuelle Hessische Erziehungs- und Bildungsplan zeigt eindrucksvoll auf, dass Kinder eigenaktiv, mit Neugierde und Freude am effektivsten lernen, dass sich Wissensnetze der Kinder immer weiter verknüpfen, wenn sie in entspannter Atmosphäre Aufgaben bewältigen, die sie bewegen und interessieren.
Die intensive Auseinandersetzung mit den Theorien der verschiedenen Reformpädagogen hat dazu geführt, dass die Philosophie unserer Schule wesentlich von Celestin Freinet, Maria Montessori und Peter Petersen geprägt ist.
1.1.1 Freinet
Der französische Lehrer und Reformpädagoge Celestin Freinet (1896 – 1966) war überzeugt von der „erzieherischen Wirkung einer nicht entfremdeten Arbeit“.[4] Freinet ging davon aus, dass die Kinder lernen wollen, wenn sie nach ihren Interessen und Fähigkeiten arbeiten können.
Der Leitgedanke seiner Pädagogik lautet: „Aus dem Leben – für das Leben – durch die Arbeit“.[5]
Kernstücke der Freinetpädagogik sind:
· Freier sprachlicher Ausdruck („Den Kindern das Wort geben“) durch freies Schreiben, Klassentagebuch, selbst verfasste Gedichte · Freier künstlerischer Ausdruck durch freie Bilder; freies plastisches Gestalten mit Ton, Holz und anderen Materialien; freies Rollen- und Theaterspiel; Tanz · Forschendes, experimentierendes Arbeiten durch Drucken von Texten, Selbstherstellen von Arbeitsmaterial, Erkundungen, Lernen in Ateliers · Demokratisches Lernen durch Klassenrat, Klassendienste, Wandzeitungen · Öffnung des schulischen Lebens durch Vorstellen von Projekten, Veröffentlichung von Arbeitsergebnissen, Aufsuchen außerschulischer Lernorte, Einladen interessanter Gesprächspartner[6]
1.1.2. Montessori
Die Ärztin Maria Montessori (1870 – 1952) erwarb als erste Italienerin den medizinischen Doktorgrad und war von 1900 - 1908 Professorin in Rom. Durch ihre erfolgreiche Arbeit mit geistesschwachen Kindern kam sie von der Medizin zur Pädagogik.
Die Einsichten in die kindliche Psyche und die grundlegenden Prinzipien ihrer Pädagogik sind weltweit verbreitet und anerkannt. Ihr Erziehungsprogramm hat weltweit großen Einfluss auf die moderne Pädagogik.
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Der Leitgedanke ihrer Pädagogik lautet: „Hilf mir, es selbst zu tun“.[7]
Kernstücke der Montessori-Pädagogik sind:
· Freiarbeit · Altersgemischte Klassen · Individuelles Lernen unter Berücksichtigung der „sensiblen“ Phasen · Lernen mit allen Sinnen durch eigens dafür hergestelltes, vielfältiges Selbstlernmaterial · Schöne und pädagogisch-didaktisch sinnvoll vorbereitete Umgebung · Förderung der Eigentätigkeit des Kindes durch o.g. Punkte · Friedensarbeit · Kosmische Erziehung[8]
1.1.3. Petersen
Peter Petersen (1884 – 1952) war Gymnasiallehrer in Hamburg und wurde 1923 ordentlicher Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität in Jena. Dort entwickelte und erprobte er seinen „Jena-Plan“. Der Jena-Plan beinhaltet eine Organisation der Schule, die eine familienähnliche Erziehung vorsieht.
Der Leitgedanke seiner Pädagogik: „Die Gemeinschaft bestimmt die Erziehung.“[9]
Kernstücke des Jena-Plans:
· Keine Jahrgangklassen, sondern altersgemischte Klassen · Arbeiten in Leistungsgruppen in bestimmten Fächern · Soziales Lernen in der Gemeinschaft · Gute Zusammenarbeit zwischen Lehrern / Eltern / Schülern · Rhythmischer Wechsel der vier Grundformen der gemeinschaftlichen Bildung: Ø Gespräch Ø Spiel Ø Arbeit Ø Feier
umgesetzt durch Morgenkreis, Rollenspiele, Lernspiele, Anfertigen von Texten auch mit Schreibmaschine und PC, Garten- und Handwerksarbeit, Versorgen von Tieren.[10]
1.2. Freie Alternativschulen
Pädagogische Merkmale der Freien Alternativschulen, die sich bis heute bewährt haben und durch eine erfolgreiche Schulpraxis bestätigt wurden, sind:
· Vertrauensvolles Sozialklima · Kleine Schulen statt „Massenschulen“ · Erfahrungs- und Handlungsorientierung, wodurch die Kinder das „Lernen lernen“ · Gelebte Autonomie[11]
2. Pädagogische Grundlagen
Die Arbeit an unserer Schule knüpft an die genannten reformpädagogischen Ansätze an, ergänzt durch Erkenntnisse der Erziehungswissenschaften, der Neurobiologie und des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplans. Darüber hinaus nimmt unsere Schule Bezug auf Veränderungen in Gesellschaft, Arbeitswelt und Umwelt. Die Bildungsaufgaben und Lernziele unserer Schule sind u.a. im Erziehungs- und Bildungsauftrag des Landes Hessen verankert. Dies möchten wir durch die nachfolgend beschriebenen pädagogischen Grundlagen erreichen:
2.1. Soziales Lernen
Neben dem kognitiven Lernen hat an unserer Schule das „Soziale Lernen“ einen hohen Stellenwert. Angesichts der gravierenden gesellschaftlichen Veränderungen (hohe Scheidungsrate, Ein-Eltern-Kind-Familie, keine Geschwister, Berufstätigkeit der Eltern) gewinnen die Stellenwerte der Freien Alternativschulen – ein vertrauensvolles Sozialklima zu schaffen – zunehmend an Bedeutung.
Das soziale Lernen wird durch folgende Strukturen gefördert:
· Wir arbeiten mit kleinen Lerngruppen, wodurch die Schüler Geborgenheit in einem überschaubaren Lebenszusammenhang erfahren. · Die Schüler werden über Jahre von einer kleinen, konstanten Gruppe von Lernbegleitern betreut. Dadurch entsteht ein vertrauensvolles Sozialklima. · Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Schülern, Eltern und Lernbegleitern entsteht eine vertraute Atmosphäre.
· Durch altersgemischte Lerngruppen, Patenschaften und Klassendienste, lernen die Schüler Sorge und Verantwortung für andere und die Gemeinschaft zu tragen.
Das vertrauensvolle Sozialklima hat einen entscheidenden Einfluss auf die Lernerfolge von Kindern. Der Hessische Erziehungs- und Bildungsplan schreibt hierzu: „Kinder lernen am besten und sind am kreativsten, wenn sie mit Freude lernen. Entscheidend ist hierbei die ‚emotionale’ Atmosphäre.“[12]
2.1.1. Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg
Die entspannte Atmosphäre als Basis für das eigenmotivierte und effektive Lernen entsteht nur, wenn sich jeder wohl und in seiner Persönlichkeit angenommen fühlt. Dabei ist die Wertschätzung jedes einzelnen Mitglieds der Lerngruppe besonders wichtig.
Seit einer ganzen Weile arbeiten wir an unserer Schule nach der Methode der „Gewaltfreien Kommunikation“ nach Marshall Rosenberg, weil sie für uns eine optimale Möglichkeit darstellt, sich beim Zusammenleben und -lernen gegenseitig zu respektieren, zu bereichern und Konflikte zu lösen.
Die gewaltfreie Kommunikation geht davon aus, dass jedes Handeln, jede Kommunikation dazu dient, Bedürfnisse zu befriedigen – Grundbedürfnisse die jeder hat und die nie negativ sind. Unsere Art, miteinander zu kommunizieren kann Türen öffnen und verschließen, kann kränken und klären. Wir lernen gemeinsam mit den Kindern eine Art der Kommunikation, die eine empathische Verbindung zum Anderen herstellt; wir lernen, ehrlich zu sein, ohne zu kränken oder zu verletzen. Die gewaltfreie Kommunikation ist ein Prozess, bei dem wir ohne Verurteilungen, Bewertungen, Forderungen und Strafen auskommen möchten.
2.2 Ganzheitliches Lernen (Kopf - Herz - Hand)
Kinder wachsen heute in einer ausgeprägten Konsumkultur (z.B. Überangebot an Spielzeug und Unterhaltung) auf. Dadurch können sich Kinder heute oftmals nicht konstruktiv und kreativ mit der Objekt- und Ideenwelt auseinandersetzen, und dies hat, eine Reduktion von „Eigentätigkeit“ zur Folge.
Sie leben in einer durch technische Medien bestimmten Welt. Die „Mediatisierung der Erfahrung“ durch Fernsehen, Computer, Gameboy und Internet ist immer Erfahrung aus zweiter Hand und hat eine Verarmung der sinnlichen Erfahrung zur Folge.
Angesichts dieser tiefgreifenden Veränderungen in den Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen nimmt das „erfahrungs- und handlungsorientierte“ Lernen, das in der Reformpädagogik der 20er Jahre als ein „Lernen mit Kopf, Herz und Hand" vertreten und praktiziert wurde, zunehmend an Bedeutung.
Unsere Schule bietet den Schülern einen Erfahrungsraum, der Kinder dazu anregt, sich eigentätig mit selbst gewählten Lerngegenständen auseinander zu setzen. In der Praxis umgesetzt wird dies durch „Lernen in Ateliers“, Projektarbeit, Freiarbeit/Freies Spiel.
„Die Erfahrung einer inzwischen über 20-jährigen Alternativschulpraxis haben gezeigt, dass Selbsttätigkeit im Spiel oder handwerkliche Tätigkeiten ein besseres Gegenprogramm gegen die medialen Überangebote sind als medienpädagogische Belehrung.“[13]
2.3. Naturnahes Lernen, Ökologie
Ein weiteres Gegenprogramm zur absoluten Visualisierung sind Erfahrungen in und mit der Natur. Die Begegnung mit der Natur ermöglicht den Kindern, ihre Umwelt mit allen Sinnen wahrzunehmen.
Durch die besondere landschaftliche Lage und die reformpädagogische Prägung haben naturnahes Lernen und Ökologie einen herausragenden Stellenwert an unserer Schule.
Maria Montessori war eine Vorläuferin der heutigen ökologischen Pädagogik. Montessoris kosmische Erziehung vermittelt dem Kind Zusammenhänge in der natürlichen und sozialen Umwelt und möchte es zur Übernahme von Verantwortung und zur Wahrung der Schöpfung führen.
Unsere Schüler haben zahlreiche Möglichkeiten für naturnahes Lernen durch unser schönes Außengelände im Naturschutzgebiet.
· Bewegung in und mit der Natur · Selbständiges Bepflanzen und Pflegen eines eigenen Beetes · Beobachten des Flusslaufes · Beobachten von Tieren und Pflanzen · Eine Forscherwerkstatt zum fächerübergreifenden Lernen und Experimentieren in Biologie, Chemie und Physik ist in Planung
2.4. Selbstbestimmtes Lernen
Die Erfahrung einiger Freier Alternativschulen hat gezeigt, dass selbstbestimmtes Lernen nicht gleichzusetzen ist mit unbegrenzter Freiheit. Da das Erlernen der Kulturtechniken auch anstrengend ist, sind insbesondere weniger motivierte und lernschwächere Kinder mit unbegrenzter Freiheit überfordert. Das Lernziel erreichen dann nur diejenigen Kinder, die über ausreichend Lerneifer, Ausdauer und Zielstrebigkeit verfügen.
Uns ist es wichtig, den Kindern von Anfang an eine feste Orientierung durch einen strukturierten Tages- und Wochenablauf und klare Regeln zu geben.
Kinder müssen selbstbestimmtes Lernen in kleinen Schritten lernen. Hierbei ist eine schrittweise Heranführung an die selbständige Arbeitseinteilung wichtig, um die Kinder nicht zu überfordern.
Berücksichtigt werden der eigene Rhythmus und das individuelle Lerntempo. Selbstbestimmtes Lernen bedeutet, den eigenen Lernprozess selbstverantwortlich organisieren zu können. Das Lernen zu lernen ist genauso wichtig wie die Vermittlung von kognitivem Wissen.[14] Vom ersten Schultag an beteiligen wir deshalb die Kinder möglichst aktiv an der Gestaltung ihres Lerngeschehens.
Wenn Kinder eigenverantwortlich lernen sollen, brauchen sie einen Überblick über das, was überhaupt zu lernen ist. Zentrales Instrument ist hierbei der „Lernpass“.[15]
Ein weiteres Instrument des Zieles selbstbestimmtes Lernen ist das Lernen in Projekten. Neben der inhaltlichen Arbeit in Projekten lernen die Kinder Schritt für Schritt übergeordnete Arbeitstechniken, die wichtig für ein lebenslanges Lernen sind.[16]
2.5. Demokratisches Lernen
Demokratisches Verhalten ist Grundlage unserer Gesellschaft. Zu beobachten ist in unserer Gesellschaft leider ein geringes Engagement auf politischer Ebene.
Eine offene Gesellschaft kann jedoch nur überleben, wenn eine große Zahl von Menschen bereit ist, am öffentlichen Leben sowie an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen teilzuhaben.
Demokratisches Lernen in der Schule ist wichtig, damit die Kinder lernen, ihre Kräfte und Fähigkeiten nicht nur zum eigenen Nutzen einzusetzen, sondern für das Gemeinwohl. Enja Riegel schreibt hierzu, "Wo sonst wird die Demokratiefähigkeit von Kindern und Jugendlichen geübt, wenn nicht in der Schule?“[17]
„Demokratische und politische Bildungs- und Erziehungsziele sind nur dann erfolgreich, wenn dem Kind die Möglichkeit gegeben wird, demokratische Grundprinzipien selbst zu erleben.“[18]
Um die demokratischen Kompetenzen zu stärken, ist es von daher erforderlich, die Kinder aktiv zu beteiligen. Kinder können nur dann zu Unabhängigkeit, kritischem Denken, Eigenverantwortung und Teamgeist geführt werden, wenn sie Demokratie in ihrem Alltag erfahren.
Mitverantwortung und Mitbestimmung sind daher fest im Alltag unserer Schule verankert:
· Die Kinder lernen in einer kleinen, ihnen vertrauten Gruppe ihre Meinung frei zu äußern. · Sie erfahren eine Wertschätzung ihrer Meinung. · Sie erleben eine Umsetzung ihrer Ideen. · Sie lernen, dass Mitschüler eine andere Meinung haben. · Sie lernen, sachlich zu argumentieren und Kompromisse zu schließen.
Das demokratische Lernen wird durch folgende Strukturen gefördert:
· Morgenkreis: Schüler lernen, sich einander mitzuteilen, der Tages- und Wochenverlauf wird besprochen. · Schulversammlung: Am Ende der Woche versammeln sich alle Schüler, um über Planungen für Projekte, Ausflüge, Schulfeste, Wünsche, Kritik, Konflikte der Schüler zu sprechen, neue Regeln aufzustellen und bestehende zu überprüfen. · Schulratssitzung: Ø Die Schülervertretung (ein Schülervorsitzender und dessen Stellvertreter) treffen sich einmal im Quartal zusammen mit dem Vorstand, den Lernbegleitern, den Leitern der Eltern-AGs, Schulleiterin, 1.Vorsitzende des Trägervereins, zweitem Vorstandsmitglied, Elternbeiratsvertreter und Vertrauensperson der Eltern. Ø Dort berichten die unterschiedlichen Eltern-AGs über ihre inhaltliche Arbeit und Arbeitsergebnisse. Ø Die Schülervertretung berichtet über die gesammelten Wünsche und Ideen aus der Schulversammlung. Projekte werden vorgestellt und abgestimmt. Ø Der Verein berichtet über Neuerungen, Entscheidungen und Weiterentwicklungen der Schule. Ø Bei Abstimmungen haben alle Anwesenden eine Stimme.
Der Schulrat steht für die demokratische Selbstverantwortung in der Schulgemeinschaft. 3. Lernformen
Das deutsche Schema in Schulen ist der fragend entwickelnde Unterricht:
· Hausaufgaben präsentieren · Neues Thema einführen · Dieses fragend entwickeln · Übungsaufgaben stellen · Hausaufgaben geben
Durch diese Unterrichtsinszenierung lernen die Schüler wenig, erklärt Jürgen Baumert, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. „Vor Klassenarbeiten wird gepaukt und anschließend wird der Gedächtnisspeicher für das nächste Projekt wieder geräumt.“[19] Den Schülern bleibt nur wenig Zeit für nachhaltiges „entdeckendes Lernen“.
Der Ulmer Hirn- und Lernforscher Manfred Spitzer weist ausdrücklich darauf hin, dass es ganz wichtig ist, „…nicht lauter Kleinkram zu lernen. Das können Gehirne nicht gut und es nützt auch gar nichts. Ganz selten merken wir uns mal etwas Einzelnes. Die Schule hängt zu sehr an explizitem Wissen, an Fakten, an Daten.“[20]
Auch das Ergebnis der Pisa-Studie zeigt deutlich, dass durch diese Form des Unterrichtens Schüler nicht effektiv lernen: „Sobald die Aufgaben vom üblichen Format in der Schule abweichen, können viele Schüler die Aufgaben nicht mehr lösen",[21] so Elsbeth Stern, Professorin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.
Besser und nachhaltiger lernen können die Schüler durch:
ENTDECKEN - STRUKTURIEREN (ORDNEN) - WIEDERHOLEN (ÜBEN)
Hartmut von Henting, Professor für Pädagogik, Gründer der Laborschule Bielefeld schreibt hierzu:
„Eine Unterrichtseinheit muss ein Erlebnis haben, es muss Neugier wecken.“[22]
= ENTDECKEN
Der Schüler muss nachdenken, wie sich das mit dem, was er vorher gelernt hat, verbindet.
= STRUKTURIEREN
Der Schüler muss einüben, so dass er auch über Sicherheit verfügt
= WIEDERHOLEN
Durch unsere Lernformen wie Freiarbeit, Projektarbeit und Kleingruppenarbeit möchten wir unseren Schülern "entdeckendes Lernen" ermöglichen.
Entdeckendes Lernen braucht Raum und Zeit. Aus diesem Grund gibt es an unserer Schule fächerübergreifende Lernformen. Es gibt keinen herkömmlichen Stundenplan und keinen Unterricht im 45-Minuten-Takt. Stattdessen haben wir eine Wochenübersicht, durch die das entdeckende Lernen in einen strukturierten Kontext eingebettet ist:
3.1. Wochenübersicht
3.1.1 Wochenplan der U-Gruppe
3.1.2 Wochenplan der M-Gruppe
3.2. Altersgemischte Klassen, U-, M-, O- Gruppen
Die Schülergruppen in unserer Schule sind altersgemischt und bestehen aus max. 20 Schülern. Zurzeit umfasst die U-Gruppe die Schuljahrgänge 0-2 mit 15 Schülern, die M-Gruppe die Jahrgänge 3-4 mit 9 Schülern. Geplant ist eine weiterführende Schule bis zur 10. Klasse mit einer O-Gruppe und einem Abschlussjahrgang. Da sich unsere Schule noch im Aufbau befindet, wird es noch Abweichungen hinsichtlich der Einteilung der Jahrgänge in U-, M- und O-Gruppen geben.
Zu Beginn des Schuljahres bekommen die „neuen“ Schüler an unserer Schule einen festen „Paten“, der ihnen bei der Eingewöhnung in das Schulleben hilft und Ansprechpartner ist. Die Schüler begleiten einander für ein gesamtes Schuljahr.
„Die Heterogenität der Gruppe, die mit einer Altersmischung verknüpft ist, bietet den Kindern vielseitige Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten.“[23]
· Jüngere Kinder beobachten intensiv die älteren und versuchen, deren Fertigkeiten nachzuahmen. Entsprechend ihrem Entwicklungsstand nehmen sie aktiv oder beobachtend am Gruppengeschehen teil. · Ältere Kinder vertiefen ihr Wissen und gewinnen Sicherheit, indem sie den Jüngeren helfen. Vorbild und Modell zu sein, stärkt ihr Selbstbewusstsein. · Die Aufnahme und Eingewöhnung neuer Kinder wird erleichtert, indem die älteren und erfahrenen Kinder die „Neulinge“ bei der Eingewöhnung in die Schule unterstützen. · Da sich Kinder im Fühlen und Denken oft viel näher stehen als Erwachsene, können sie ihr Wissen einander oft einfacher weitergeben. · Das unterschiedliche Leistungsniveau und das individuelle Lerntempo der einzelnen Schüler können besser berücksichtigt werden. · Die Gruppenzusammensetzung ähnelt Geschwisterkonstellationen und ermöglicht intensiv soziales Lernen. · Jedes Kind durchläuft innerhalb der drei Jahre in einer Gruppe verschiedene Rollen: Vom Lehrling zum Gesellen bis hin zum Meister.
Zahlreiche freie Schulen, wie z.B. die Freie Comenius Schule Darmstadt, die Freie Schule Seligenstadt oder Montessorischulen arbeiten seit mehreren Jahren sehr erfolgreich mit altersgemischten Lerngruppen.
3.3. Stille Stunde
Die „Stille Stunde“ ist eine Zeitspanne am Vormittag, während der die Kinder in ruhiger Atmosphäre konzentriert arbeiten. Entwickelt hat sich die „Stille Stunde“ aus dem Bedürfnis der Kinder nach Ruhe und angenehmer, ungestörter Arbeitsatmosphäre. Während der Stillen Stunde üben die Kinder hauptsächlich in den Bereichen Rechnen, Schreiben und Lesen individuell gemäß ihrem Lernstand und nach ihrem Tempo. Oft geht die Stille Stunde aus eigener Motivation der Kinder weit über eine Zeitstunde hinaus.
3.4. Kleingruppenarbeit
Intensive Auseinandersetzung mit orthographischen Phänomenen und Rechenstrategien, sowie die Einführung bestimmter Lernmethoden geschieht an der Freien Schule Wetterau in Kleingruppen, die täglich stattfinden. In kleinen Gruppen werden auch die Kinder gefördert, die in bestimmten Bereichen Schwierigkeiten haben. Dabei legen wir besonderen Wert darauf, dass die Kinder mit den in der Kleingruppe erworbenen Lernstrategien selbständig weiterarbeiten können.
3.5. Freiarbeit – Freies Spiel
Freiarbeit ist das Kernstück der Montessori-Pädagogik. Montessoris Leitgedanke war „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Während dieser selbst verantworteten Arbeitsphase bestimmt das Kind das Wann, Was, Wo und Wie viel des Lernens selbst.
· Es wählt selbständig aus dem Materialangebot aus. · Es entscheidet die Sozialform des Lernens (Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit).
Voraussetzung für die Freiarbeit sind Konzentration und Ausdauer. Wenn Kinder zu der Aktivität finden, die gerade mit ihren inneren Bedürfnissen übereinstimmt, können wir sehen, wie sie sich in ihr Tun versenken. Montessori nennt diese Arbeit höchster Konzentration die „Polarisation der Aufmerksamkeit“.
Freies Arbeiten beinhaltet auch freies Spielen. Arbeit mit Spielcharakter oder Spiel mit Arbeitscharakter hat Freinet in die Diskussion gebracht. Darüber hinausgehend haben Freie Alternativschulen neue didaktische Formen in offenen Lernsituationen entwickelt. Das gilt für den fließenden Übergang vom freien Spiel zum absichtsvollen Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten (Beispiel: Kaufladenspiel).[24]
Das Lernen im Freien Spiel wird in der Schule sehr häufig unterschätzt. Piaget bezeichnet es als den authentischsten Ausdruck und das wirksamste Lernmittel des Kindes. Freies Spiel ist die natürliche und eigentliche Arbeit des Kindes:
· Es hilft Konflikte zu lösen. · Es baut Spannungen ab. · Es fördert die Kommunikation. · Es fördert das selbständige Lernen. · Es fördert die psychomotorischen und sozialen Kräfte und Fähigkeiten des Kindes.[25]
Das Spielen ist die Aneignungsform, welche die Kinder in unsere Schule mitbringen und durch die sie bis zum Eintritt ins Schulalter schon viele wichtige Dinge gelernt haben.
Die Form des freien Spielens wird nach der Einschulung noch einen größeren Teil der Zeit einnehmen und mit der Entwicklung der Kinder zunehmend in das freie Arbeiten übergehen.
3.6. Projektarbeit
„Für Kinder optimal sind Lernformen, deren Inhalte an ihrem Leben sowie an ihren Interessen und Kompetenzen anknüpfen, die selbst gesteuertes Lernen fördern, Kindern Gestaltungsmöglichkeiten einräumen, Teamarbeit ermöglichen und eine Lernkultur etablieren, in der Fehler und freies Explorieren gestattet sind.“[26]
In der Freien Schule Wetterau wird die Projektarbeit groß geschrieben. Dabei lernen die Kinder in den verschiedenen Lernbereichen eine Menge über ein Thema, das sie interessiert.
Es werden sowohl große Projekte entwickelt, wobei die ganze Lerngruppe an einem Thema arbeitet, als auch Kleinprojekte, welche die Kinder einzeln oder in kleinen Gruppen vorbereiten und präsentieren. Themen aus ihrer Lebens- und Interessenwelt motivieren die Kinder, sich Gedanken zu machen und ihr Wissen zu vertiefen. Der Hessische Bildungs- und Erziehungsplan schreibt hierzu: „Die Intensität der Beschäftigung mit einem Thema, die Involvierung des Kindes im Lernprozess, entscheidet über Dauer und Ausmaß späterer Erinnerung."[27]
Die Lernbegleiter unterstützen die Kinder bei der Strukturierung ihrer Arbeit, bei der Sammlung und Auswertung von Informationen sowie bei der Vorbereitung und Durchführung der Präsentation.
Neben der inhaltlichen Arbeit in Projekten ist es unser Anliegen, die Kinder Schritt für Schritt in möglichst allen Phasen mitarbeiten zu lassen. Dadurch lernen sie übergeordnete Arbeitstechniken, die für ein lebenslanges Lernen wichtig sind.
3.7. Werkstätten
Der Begriff von den Werkstätten im Schulbereich wurde von dem Reformpädagogen C. Freinet geprägt. Als Werkstätten gelten zum einen die Raumstruktur des Klassenraumes und zum anderen die Funktionsräume für den freien künstlerischen Ausdruck. Die Basis der Werkstättenarbeit ruht auf dem Zusammenspiel von Kopf- und Handarbeit.
Die Klassenräume sind unterteilt in Arbeitsecken mit Lernmaterialien für das Lesen, Rechnen, Schreiben und Experimentieren.
Grüner Klassenraum: Kreisgespräche finden bei guter Witterung draußen im Sitzkreis um die Feuerstelle herum statt. Ebenso werden Sport-, Musik- und Kunstangebote oft auf Wunsch der Kinder nach draußen verlagert. Aber auch die konzentrierte Arbeit – z.B. an Projekten – findet gelegentlich draußen statt. Die Kinder nehmen dann ihre Materialien und ein Klemmbrett mit, suchen sich allein oder in einer kleinen Gruppe ein Plätzchen auf der Wiese oder unter einem Baum und arbeiten dort.
Eine Holz- und Malwerkstatt steht den Kindern zur Entfaltung des freien künstlerischen Ausdrucks zur Verfügung.
Für Rollenspiele und Theaterstücke und Aufführungen gibt es in unserer Schule eine Bühne.
Im Ausbau befinden sich: · Schulbibliothek · Malatelier · Bewegungs- und Ruheraum
In Planung befinden sich: · Druckwerkstatt · Töpferei · Forscherwerkstatt
3.8. Lernorte - Schule in Bewegung
Schule in Bewegung setzt am praxisnahen Lernen mit vielen unterschiedlichen Lernorten an. Lernorte sind:
· Schulräume · Schulgelände mit Garten · Selbstverwaltetes Kinderspielgelände (hier soll in naher Zukunft das Baumhausprojekt verwirklicht werden) · Gesamtes Umfeld des Naturschutzgebietes (Salzwiesen, Flusslauf) · Außerschulische Orte (Bauernhof, Handwerksbetriebe, Museen)
Der Erfahrungsbereich der Schüler erweitert sich im direkten Kontakt mit ihrem Lebensumfeld. Forschend können sie ihr Umfeld erkunden und zum Beispiel Tiere und Pflanzen beobachten und Menschen in ihrem Arbeitsfeld begegnen. Über das praxisnahe Lernen wird erfahren und begriffen.
4. Dokumentation von Lern- und Entwicklungsprozessen
Elsbeth Stern, Professorin und Forschungsgruppenleiterin im Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, kritisiert, dass die deutschen Schulen sehr stark leistungsorientiert, aber zu wenig lernorientiert sind.[28]
Uns ist es wichtig, die Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern und zu begleiten und sie für das entdeckende Lernen und Experimentieren zu motivieren.
Wenn nicht für Prüfungen gelernt wird, werden die Dinge wichtiger. Wird die Leistungsbewertung aus dem Lernalltag herausgehalten, wird die Schule ein geschützter Raum, frei für Neugierde und für Experimente.
Aus diesem Grund verzichten wir an unserer Schule auf Leistungsbewertung. Stattdessen dokumentieren wir die Lern- und Entwicklungsprozesse der Kinder. Ein wichtiges Instrument ist hierbei der Lernpass.
4.1. Lernpass
An Stelle von Tests und Klassenarbeiten steht in der Freien Schule Wetterau für jedes Kind ein Lernpass. Differenziert nach U- und M-Gruppe bietet er Kindern, Eltern und Lernbegleitern einen Überblick über bereits Gelerntes und noch zu Lernendes. Der Lernpass ist klar gegliedert und beinhaltet die verschiedenen Lernbereiche sowie verschiedene Aspekte des Sozialen, außerdem werden in den Lernpass zusätzlich besuchte AGs und Angebote eingetragen.
In regelmäßigen zeitlichen Abständen vermerken Lernbegleiter mit den Kindern individuell den jeweiligen Lernstand und besprechen Perspektiven und Ziele für die Weiterarbeit.
5. Elternarbeit
Die Mitarbeit der Eltern ist tragender Bestandteil des pädagogischen Konzeptes der Freien Schule Wetterau. Im Folgenden wird aufgezeigt, wie die Eltern am Schulgeschehen beteiligt sind.
5.1. Elternangebote
Die Elternangebote nachmittags im Kreativbereich werden bestimmt von: · Talenten / Ressourcen der Eltern · Interessen und Themen der Kinder
Elternangebote bestehen zusätzlich zum Unterricht; sie ersetzen ihn nicht.
Themen von Elternangeboten: · Betreuung von Räumen: Ø Holzwerkstatt Ø Bibliothek Ø Bewegungs- und Ruheraum Ø Atelier · Vorlesen · Nähen · Gartenarbeit · Technikwerkstatt · Fahrradwerkstatt · Singen und Tanzen · Bewegungsangebot
Die Kinder sollen zwischen den Angeboten wählen können. Die Teilnahme am gewählten Angebot ist für eine festgelegte Zeit für die Schüler verbindlich.
Die Angebote werden immer von zwei Eltern gemeinsam geplant, durchgeführt und dokumentiert Die Umsetzung eines Angebotes wird bei Bedarf von den Lernbegleiterinnen unterstützt.
Die Betreuungszeit für die Räume und die Angebote laufen jeweils an zwei Nachmittagen von 14.00 – 15.30 Uhr.
5.2. Eltern-AGs
Die Eltern können sich folgenden Eltern-AGs zuordnen:
· Pädagogisches Team · Öffentlichkeitsarbeit · Finanzen · Medien · Gebäudearbeiten
In den einzelnen Eltern-AGs gibt es Arbeitsuntergruppen mit festgelegten Zuständigkeiten.
Um eine Kontinuität der Arbeit zu gewährleisten, sollen sich die Eltern mindestens für zwei Jahre für eine AG-Mitarbeit entscheiden.
Die Eltern-AGs treffen sich in 3-6 wöchigen Abständen. Für jede Eltern-AG werden ein AG-Leiter und ein Stellvertreter gewählt, die das Amt für zwei Jahre übernehmen. Diese leiten die Arbeitsergebnisse, Vorschläge und Ideen aus den Eltern-AGs zum einen an das höchste Gremium der Schule, den Schulrat, weiter. Zum anderen haben sie eine beratende und vermittelnde Funktion gegenüber dem Vorstand.
6. Weiterbildung und Supervision
Eine Lernbegleiterin absolviert zurzeit eine zweijährige, berufsbegleitende Weiterbildung zur Erlangung des nationalen Montessori-Diploms.
Alle drei Lernbegleiter besuchten im vergangenen Jahr Seminare und Workshops zum Thema „Gewaltfreie Kommunikation“ nach Marshall Rosenberg.
Weitere Fortbildungen in den Bereichen Sachunterricht, Lesekompetenz, Rechtschreibwerkstatt, Musik für fachfremd Unterrichtende wurden von einer Lernbegleiterin in den Jahren 2003 – 2006 besucht. 7. Thesen des Bundesverbandes Freier Alternativschulen
1. Die gesellschaftlichen Probleme der Gegenwart und Zukunft (Kriege, Armut, Ökologie usw.) sind auf demokratische Weise nur von Menschen zu lösen, die Eigenverantwortung und Demokratie leben können. Alternativschulen versuchen Kindern, Lehrern und Eltern die Möglichkeit zu bieten, Selbstregulation und Demokratie im Alltag immer wieder zu erproben. Das ist die wichtigste politische Dimension der Alternativschulen.
2. Alternativschulen sind Schulen, in denen Kindheit als eigenständige Lebensphase mit Recht auf Selbstbestimmung, Glück und Zufriedenheit verstanden wird, nicht etwa nur als Trainingsphase fürs Erwachsendasein.
3. Alternativschulen schaffen einen Raum, in dem Kinder ihre Bedürfnisse, wie Bewegungsfreiheit, spontane Äußerungen, eigene Zeiteinteilung, eingehen intensiver Freundschaften entfalten können.
4. Alternativschulen verzichten auf Zwangsmittel zur Disziplinierung von Kindern. Konflikte, sowohl unter Kindern, als auch zwischen Kindern und Erwachsenen, schaffen Regeln und Grenzen, die veränderbar sind.
5. Lerninhalte bestimmen sich aus den Erfahrungen der Kinder und werden mit den Lehrern gemeinsam festgelegt. Die Auswahl der Lerngegenstände ist ein Prozess, in den der Erfahrungshintergrund von Kindern und Lehrern immer wieder eingeht. Der Komplexität des Lernens wird durch vielfältige und flexible Lernformen, die Spiel, Schulalltag und das soziale Umfeld der Schule einbeziehen, Rechnung getragen.
6. Alternativschulen wollen über die Aneignung von Wissen hinaus emanzipatorische Lernprozesse unterstützen, die für alle Beteiligten neue und ungewohnte Erkenntniswege eröffnen. Sie helfen so Voraussetzungen zur Lösung gegenwärtiger und zukünftiger Probleme zu schaffen.
7. Alternativschulen sind selbstverwaltete Schulen. Die Gestaltung der Selbstverwaltung ist für Eltern, Lehrer und Schüler prägende Erfahrung im demokratischen Umgang miteinander.
8. Alternativschulen sind für alle Beteiligten ein Raum, in dem Haltungen und Lebenseinstellungen als veränderbar und offen begriffen werden können. Sie bieten so die Möglichkeit Abenteuer zu erleben und Leben zu erlernen.
8. Literaturangaben
Baumert, Jürgen in: Treibhäuser der Zukunft - Wie in Deutschland Schulen gelingen. Weinheim 2004
Borchert, Manfred / Maas, Michael (Hrsg.): Freie Alternativschulen: Die Zukunft der Schule hat begonnen. Bad Heilbrunn/Obb. 1998
Dietrich, Ingrid: Freinet-Pädagogik heute, in: Handbuch der Freinet-Pädagogik, Weinheim und Basel 1995
v. Hentig, Hartmut in: Treibhäuser der Zukunft - Wie in Deutschland Schulen gelingen. Weinheim 2004
Hessisches Kultusministerium (Hrsg.): Rahmenplan Grundschule. Frankfurt am Main 1995
Hessisches Sozialministerium / Hessisches Kultusministerium (Hrsg.): Bildung von Anfang an – Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Hessen. Wiesbaden 2007
Kahl, Reinhard (Hrsg.): Treibhäuser der Zukunft - Wie in Deutschland Schulen gelingen. Weinheim 2004
Piaget, Jean: Nachahmung, Spiel und Traum. Stuttgart 1996
Riegel, Enja: Schule kann gelingen! Wie unsere Kinder wirklich fürs Leben lernen. Die Helene-Lange-Schule Wiesbaden. Frankfurt am Main 2004
Seitz, Marielle / Hallwachs, Ursula: Montessori oder Walldorf? Ein Orientierungsbuch für Eltern und Pädagogen. München 1996
Spitzer, Manfred in: Kahl, Reinhard (Hrsg.): Treibhäuser der Zukunft - Wie in Deutschland Schulen gelingen. Weinheim 2004
Stern, Elsbeth in: Kahl, Reinhard (Hrsg.): Treibhäuser der Zukunft - Wie in Deutschland Schulen gelingen. Weinheim 2004 [1] Spitzer 2004, S. 98 [2] vgl. Hessisches Kultusministerium 1995, S. 13 [3] vgl. Hessisches Kultusministerium 1995, S. 27 [4] http:// www.freinet-kooperative.de [5] ebd. [6] vgl. Handbuch Freinet-Pädagogik, S. 27 ff [7] vgl. Seitz/ Hallwachs 1996, S. 35 -56 [8] ebd. [9] http://www.jenaplan.eu/html/leitgedanken.html [10] vgl. Borchert 1998, S. 65 ff
[11] vgl. Borchert 1998, S. 57 ff
[12] vgl. Hessisches Kultusministerium 1995, S.28 [13] Borchert 1998, S. 30
[14] vgl. Borchert 1998, S. 152 [15] Siehe Kapitel 4.1. [16] vgl. Borchert 1998, S. 153 [17] Riegel 2004, S. 61 [18] Hessischer Bildungs- und Erziehungsplan, S. 84 [19] Baumert, Jürgen, Direktor am Max-Plack-Institut für Bildungsforschung, in : Treibhäuser der Zukunft, S. 110 [20] Spitzer 2004, S. 98 [21] Stern 2004, S. 100 [22] vgl. v. Hentig 2004, S. 62 f [23] Hessischer Bildungs- und Erziehungsplan, S. 84 [24] vgl. Borchert 1998, S. 62 [25] vgl. Piaget 1996 [26] Hessischer Bildungs- und Erziehungsplan, S. 29 [27] Hessischer Bildungs- und Erziehungsplan, S. 28 [28] vgl. Stern 2004, S. 101 |